Mit einem beherzten und begeisternden Auftritt hat der SC Freiburg am Samstag für eine große Überraschung gesorgt und beim 0:0 gegen den FC Bayern München einen Punkt gegen den deutschen Rekordmeister geholt. Im ausverkauften MAGE SOLAR Stadion ließ die Mannschaft von Trainer Christian Streich in der ersten Hälfte nur eine Chance für die Münchner zu und verdiente sich den Punktgewinn auch nach der Pause durch eine starke kämpferische und spielerische Leistung. Der Sport-Club blieb vor dem Derby beim VfB Stuttgart in einer Woche zwar Tabellenletzer, schloss nach Punkten jedoch zu den vor ihm liegenden Teams des FC Augsburg und des 1. FC Kaiserslautern auf.
Es ist für Fußballfans immer ein wenig zum närrisch werden, wenn einmal in der Saison im heimischen Stadion das Kräftemessen mit dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München ansteht. Da passte es ganz gut, dass das insgesamt 26. Bundesligaduell zwischen dem Sport-Club und den Münchnern in diesem Jahr am Fastnachtssamstag angepfiffen wurde. Am viertletzten Spieltag der aktuellen Narrensaison, der dazu mit der bemerkenswerten Tatsache aufwarten konnte, dass die Temperaturen im Vergleich zum letzten Heimspiel gegen Werder Bremen deutlich mehr als 15 Grad nach oben geklettert waren. Um die 8°Celsius - das war verglichen mit den Rahmenbedingungen gegen Bremen fast ein Hauch von Frühling mitten im Winter.
Rosenthal rückt wieder in die Anfangself
SC-Trainer Christian Streich hatte vor der Partie anklingen lassen, dass er möglicherweise die selbe Startelf wie beim unglücklichen 2:3 beim VfL Wolfsburg aufbieten würde. Eine Änderung gab es aber doch. Für Michael Lumb rückte im Mittelfeld Jan Rosenthal ins Team. Die linke Abwehrseite übernahm stattdessen Jonathan Schmid. Geblieben war es dabei, dass der Sport-Club weiter auf Mensur Mujdza (Aufbautraining), Julian Schuster (entzündeter Nerv im Knie), Pavel Krmas (Muskelfaserriss) und Anton Putsila (Fersenbeschwerden) verzichten musste. Bayern-Coach Jupp Heynckes hatte sich nach zwei Siegen in Folge und dem letzten 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern für die identische Anfangsformation vom letzten Spieltag entschieden. Was auch bedeutete, dass Arjen Robben zunächst wieder auf der Bank Platz nahm. Dort saß beim SC erstmals nach dem Afrika-Cup auch wieder Garra Dembélé.
„Selbst auch Fußball spielen" lautete eine der Zielsetzungen von Christian Streich für die Begegnung, was vor allem heißen sollte, dass man dem Gegner zwar den nötigen, aber nicht zu großen Respekt entgegenbringen und eine so aktive Rolle wie möglich spielen wollte. Auch wenn der Coach einen „aggressiven und hoch stehenden" FC Bayern erwartete. Und diese Vorgabe ihres Trainers setzte das junge SC-Team in der ersten Hälfte in absolut beeindruckender Manier um. Die Bayern standen zwar zu Beginn hoch und pressten, doch der SC, könnte man sagen, stand bereits nach wenigen Minuten höher und setzte auf ein ebenso forciertes Forechecking, durch das sich die Bayern zunehmend zurückdrängen ließen. Der Meisterschaftsaspirant tat sich zunehmend schwerer, eigene Offensivaktionen zu inszenieren, das lauf- und kampfstarke Freiburger Kollektiv ließ dies nicht zu und fand selbst immer besser und selbstbewusster ins Spiel.
SC lässt Bayern nicht ins Spiel kommen
Die Gastgeber waren deutlich mehr in Bewegung, zeigten das konsequentere Spiel, der FC Bayern agierte insgesamt zu langsam, um den SC in der ersten Halbzeit vor echte Probleme zu stellen. Mit einer Ausnahme: kurz vor der Pause konnte Franck Ribéry, gegen den Oliver Sorg ansonsten stark spielte, das erste Mal auf der linken Seite entwischen, Thomas Müller (43.) nahm die Hereingabe direkt, doch Oliver Baumann lenkte den Ball mit einer tollen Reaktion zur Ecke. Es war erst der zweite Torschuss der Münchner. Der beherzt agierende Sport-Club hatte sich mit der Zeit nicht nur eine Dominanz, sondern auch einige gute Torchancen erspielt. Erik Jendrisek (15.) schoss nach einem Zuspiel von Daniel Caligiuri über das Tor. Nach einem tollen Solo von Johannes Flum (25.) klärte Jerome Boateng im Strafraum gerade noch zur Ecke. Nach dieser köpfte Ivan Santini am langen Pfosten vorbei. Und nach einem Freiburger Freistoß wurden Schüsse von Santini und Cedrick Makiadi noch abgeblockt.
Erst lange danach, in der 36. Minute, gab Rafinha den ersten Münchner Schuss auf das SC-Tor ab, verfehlte jedoch deutlich. Nur eine Tatsache, die untermauerte, wie stark das Team von Christian Streich bislang aufgetreten war. Klar war jedoch auch, dass der deutsche Rekordmeister nach der Pause kaum so weiter spielen würde. Schon personell setzte Jupp Heynckes dafür ein Zeichen, Arjen Robben kam für Rafinha ins Spiel. Bei den Gästen zog dies weitere Rochaden nach sich. Lahm verteidigte nun rechts, David Alaba rückte aus dem defensiven Mittelfeld auf die linke Abwehrseite, Toni Kroos rückte ins defensive Mittelfeld und Müller ins Zentrum. Die Umstellungen zeigten auf Anhieb Wirkung. Nach einem Eckball gleich nach dem Wiederanpfiff köpfte Holger Badstuber knapp vorbei. Auf der Gegenseite verfehlte Rosenthal aus der Drehung. Doch die Gäste spielten nun wesentlich druckvoller. Der heute wieder tadellos haltende Oliver Baumann wehrte einen Schuss von Robben (48.) aus kurzer Distanz zur Ecke ab. Wenig später sah Ribéry für eine Schwalbe im Strafraum von Schiedsrichter Peter Gagelmann die gelbe Karte. Der Münchner war im Duell mit Fallou Diagne zu Boden gegangen, eine Szene, in der man nach den letzten Erlebnissen auch eine andere Konsequenz hatte befürchten müssen.
Nach der Pause beherzt weitergekämpft
Die Partie wurde nun immer kampfbetonter, doch der SC verstand es in der Folge immer besser, mit Disziplin, großem Kämpferherz und auch großem fußballerischen Können, die drückenden Münchner weitgehend vom eigenen Tor fernzuhalten. Wirklich ernst wurde es für die Freiburger, bei denen nach über einer Stunde Karim Guédé, der für Diagne in die Partie kam, sein Bundesligadebüt gab, nur noch selten. Nach einer Ecke und einem Kopfball von Müller klärte der auch als Innenverteidiger äußerst starke Johannes Flum (68.) per Kopf vor der Linie. Ein Schuss von Robben wurde geblockt, einen Münchner Freistoß faustete Baumann aus der Gefahrenzone. Der Rest war mit voller Unterstützung der Fans im ausverkauften MAGE SOLAR Stadion ein großer und leidenschaftlicher Kampf der jungen Freiburger Mannschaft, die in der Schlussphase auch selbst immer wieder Akzente nach vorne setzte.
Nachdem nun auch Stefan Reisinger und Garra Dembélé auf dem Feld standen, suchte der SC durchaus noch einmal seine Siegchance. Die beste vereitelte Nationaltorwart Manuel Neuer, als er nach einem schönen Freiburger Konter einen Schuss von Daniel Caligiuri (84.) zur Ecke abwehrte. Am Ende durften sich Fans und Mannschaft über einen hochverdienten Punkt gegen den FC Bayern München freuen. Einen dazu, der vielleicht sogar noch ein bisschen mehr wert war. Es war die stärkste Leistung der neu geformten Mannschaft von Christian Streich in der Rückrunde. Dazu die passende Antwort auf die bittere 0:7-Niederlage im Hinspiel. Vor allem aber hatte der Sport-Club einfach ein begeisterndes Fußballspiel geboten und auch wenn es in der Realität nicht so ist: Punkte gegen den FC Bayern zählen aus Freiburger Sicht einfach doppelt. Den letzten davon hatte der SC beim 1:1 am 25. November 2000 geholt.
Die Leistung des SC-Teams fand übrigens auch die Anerkennung von Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Als der gleich nach dem Schlusspfiff die Stufen der Haupttribüne hinunter stieg und von einem Freiburger Fan angesprochen wurde, sagte Hoeneß knapp: „War in Ordnung." Mitgenommen sah er trotzdem aus und alles andere als glücklich. Was noch einmal zeigte, dass der SC heute mehr als ein normales Spiel geboten hatte. Und Grund genug, bis zum Schlusspfiff der Session noch ein paar Tage närrisch zu bleiben.