„Mutig aufeinander zugehen“

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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat Inklusion zum Leitthema für die Kids-Clubs in der Saison 2016/17 gemacht. (Foto: gettyimages/DFL).

Der SC Freiburg möchte seine Angebote im Bereich Gesellschaftliches Engagement noch stärker für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen öffnen. Tobias Rauber und Alexander Strecker im Interview über einen Startschuss und verständnisvolle Perspektiven.

scfreiburg.com: Herr Rauber, Herr Strecker, vor allem an Schulen ist die Inklusion von Menschen mit Behinderungen gerade ein großes Thema. In der Zusammenarbeit mit Schulen haben Sie in diesem Bereich schon Erfahrungen gesammelt.

Tobias Rauber: Genau. Wir waren beispielsweise mit dem Projekt „SC macht Schule“ am Bildungs- und Beratungszentrum für Hörgeschädigte in Stegen. Hier machen gehörlose und hörende Schüler gemeinsam Sport. Es ist auffällig zu sehen, wie in den inklusiven Klassen die sozialen Fähigkeiten der Schüler steigen. Die gegenseitige Unterstützung und der Zusammenhalt sind da enorm groß. Wenn wir das auch vermehrt auf unsere Veranstaltungen übertragen könnten, wäre das toll.

 

scfreiburg.com: Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat das Thema Inklusion jetzt auf ihre Agenda genommen.

Tobias Rauber: Die DFL und die Aktion Mensch haben eine zweitägige Tagung organisiert. Dort ging es darum, zu beleuchten, wie man in der täglichen Arbeit in den Vereinen Inklusions-Perspektiven einbauen und wie man Barrieren abbauen kann. Uns als Teilnehmer vom SC hat besonders interessiert, wie wir noch besser allen Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an unseren Angeboten ermöglichen können. Wir haben ja schon mit Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen zu tun, das möchten wir gerne erweitern. Die Tagung war dazu eine Art Startschuss.

 

scfreiburg.com: Was bedeutet das für das Angebot des Vereins?

Rauber: Es geht uns darum, klar zu machen, dass auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung auf unsere Angebote zurückgreifen können. Wir wollen hierfür keine speziellen Angebote entwickeln, sondern gute Wege finden, wie ihnen die Teilnahme an unseren Veranstaltungen ermöglicht und vereinfacht werden kann. Jeder ist bei uns willkommen. Unser nächster Schritt wird daher sein, Ängste abzubauen und mutig aufeinander zuzugehen.

Strecker: Wir möchten vor allem die Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung ermutigen, ihre Kinder und Jugendliche zu unseren Angeboten anzumelden und offen mit uns zu sprechen. Unsere Erfahrung ist, wenn wir vorher über die jeweilige Situation und Bedürfnisse informiert worden sind, dann hat das gut funktioniert.

 

scfreiburg.com: Werden Sie mit anderen Einrichtungen oder Initiativen zusammenarbeiten?

Rauber: Unbedingt. Wir werden zukünftig bei den Einlaufkindern Kinder mit Behinderung integrieren. Dafür sind wir aber auf das Know-How und die Expertise von schon bestehenden Strukturen angewiesen, alleine können wir das nicht leisten.

 

scfreiburg.com: Was ist das langfristige Ziel für dieser Arbeit zum Thema Gesellschaftliches Engagement?

Strecker: Zunächst geht es uns um den Austausch und Kontakt zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung. Das Verstehen der jeweils anderen Perspektive. Und irgendwann sollte dann das gemeinsame Erleben und Spielen zu einer Selbstverständlichkeit werden.

Rauber: Wir würden gerne dahin kommen, dass sich Kinder und Jugendliche mit Behinderung ganz selbstverständlich für die Aktionen des SC Freiburg anmelden. Die DFL hat Inklusion zum Leitthema der Kids-Clubs für die Saison 2016/17 gemacht. Wir möchten aber schon jetzt damit beginnen, in dieser Richtung Fortschritte zu erzielen. Und natürlich werden auch beim Stadionneubau die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen ein wichtiges Thema sein.

 

Interview: Jonas Wegerer

Tobias Rauber, 29, ist für den Bereich „Gesellschaftliches Engagement“ beim SC Freiburg verantwortlich und seit 2010 beim Verein.

Alexander Strecker, 21, ist BA-Student im Bereich „Gesellschaftliches Engagement“ und seit 2013 beim SC Freiburg.